Erleuchtung am Meer – Carrara / Toskana

By 10. Oktober 2011 Reiseberichte No Comments

Reise

Nach Carrara, in der Toskana, dort wo der Marmor herkommt, reise ich, wenn in meinem Leben mal wieder alles auf dem Kopf steht. Hier bleibe ich auch manchmal längere Zeit, bis sich der Wirrwarr in meinem Kopf einigermaßen geordnet hat und ich wichtige Entscheidungen treffen kann. Der Ort liegt genau zwischen Marmorbergen, den „Apuanischen Alpen“ und dem Meer, was für mich eine besondere Magie hat. Ich schlafe hier besonders tief, auch wenn ich das Zimmer mit 10 anderen Frauen teile. Hier habe ich ein Gefühl von Zeitlosigkeit, von dem Moment an, wenn ich aus dem Zug steige. Ein Tag dauert gefühlt eine Woche, eine Woche ist ein gefühlter Monat und bleibe ich länger, ist es eine Ewigkeit.

Vorbereitung

Ich versuche mit so wenig Dingen wie möglich zu reisen. Ich überlege mir, was ich wirklich brauche, und lasse den Rest zu Hause. Das Reduziertsein auf das Wesentliche gibt mir ein Gefühl von Freiheit.

Anreise und Unterkunft

Ich bevorzuge Bahnreisen, auch wenn sie sehr lange dauern. „Die menschliche Seele ist nur so schnell, wie ein Kamel geht“ – ist ein Sprichwort, das ich mal gehört habe, und daher ist für mich schon die Reise an sich ein Teil des Ziels . Die vorbeiziehende Landschaft und das monotone Rattern des Zuges versetzen mich in eine Art Trance. Gedanken kommen und ziehen an mir vorüber.

 Ich fahre zunächst nach Mailand, und dann nach Genova, steige dort um, und fahre nach Carrara- Avenza.

Hier geht es weiter mit dem Bus, die Haltestelle ist das „Ostello per la Gioventu“ im Ortsteil Partaccia, der zwar zu Marina di Massa gehört, aber zwischen Massa und Carrara direkt am Meer liegt. Dieses „Ostello“ ist vielleicht die günstigste Jugendherberge in ganz Italien. Alles ist sehr rudimentär. Die Atmosphäre ist familiär und es kommen viele auch ältere Alleinreisende. Es ist einfach, Leute kennen zu lernen, zum Beispiel beim Kochen in der Open- Air Gemeinschaftsküche.

Erlebnisse und Erfahrungen

Auf meinen Reisen bin ich schon vielen sehr schrägen Menschen begegnet.

Einmal lernte ich zum Beispiel im Nachtzug nach Mailand einen sehr sympathischen jungen Italiener kennen, und unterhielt mich die ganze Nacht mit ihm im Zug. Bei einer Drogenrazzia an der italienischen Grenze, stellte sich heraus, dass in seinem Koffer Spuren von Drogen vorhanden waren, und die Polizei hat ihn, und mich gleich dazu verhaftet. Aber die Geschichte ist am Ende doch noch gut ausgegangen…

Ausflugstipps

Carrara Stadt- ist sehr schön und gilt als eine sozialistische und anarchistische Hochburg. Hier diskutieren Alt-Kommunisten an Sonntagvormittagen noch über die Weltrevolution.

Zusätzlich gibt es eine bekannte Kunstakademie: hier schauen die Statuen aus Marmor aus dem Fenster heraus.

Das nahe gelegene Pisa hat mehr zu bieten als den schiefen Turm. In Studentenkneipen rund um die Uni kann man sich eine „Focaccia Cecina“, ein Sandwich mit Kichererbsen Belag- eine toskanische Spezialität- oder am Piazza Garibaldi das beste Eis der Stadt schmecken lassen.

Im Norden sollte man auf jeden Fall die „Cinque Terre“ besuchen- das sind fünf malerische Dörfchen in den Bergen, die man in etwa 3 Stunden durchwandern kann.

Ich empfehle die Wochenmärkte (Donnerstags in Marina di Carrara und Freitags in Marina di Massa), auf denen man Kleider, für die man in Berlin-Prenzlauer-bergschen Edel-Boutiquen schon mal 100 Euro hinblättert, für 5-10 Euro findet.

Fazit

Wenn ich alleine unterwegs bin, kann ich mich ganz neuen Herausforderungen stellen. Ich muss mich niemandem anpassen, und kann mich ganz frei fühlen. Ich entdecke plötzlich Seiten an mir, die ich vorher nicht kannte und ich bin in der Lage, mein Leben aus der Distanz besser zu beurteilen.

Außerdem bin ich anderen Menschen gegenüber wesentlich offener, und schließe rasch Freundschaften.

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